Denken erstickt Fantasie

Da war dieser Tausendfüßler, der mit seinen eintausend Füßen fantastisch tanzen konnte. Er war der Star in seinem Wald und alle Tiere bewunderten ihn für seine Tanzkünste. Wenn er tanzte, versammelten sich alle Tiere des Waldes um ihn zu bestaunen.

Alle – bis auf ein Tier: die Kröte konnte den Tausendfüßler und sein Tanzen nicht ausstehen.

Der Neid zerfraß die Kröte von Tag zu Tag immer mehr und sie überlegte, wie sie es denn schaffen könnte, den Tausendfüßler dazu zu bringen, mit dem Tanzen aufzuhören.

Da kam ihr eines Tages eine Idee und sie schrieb dem Tausendfüßler einen Brief:

„Oh Du einzigartiger, wundervoller Tausendfüßler. Ich bin ein so großer Bewunderer Deiner Kunst. Dein Tanzen ist göttlich und von unbeschreiblicher Schönheit. Bitte erkläre mir, wie Du das genau machst. Beginnst Du mit dem Bein Nummer 364 auf der rechten Seite und nimmst dann das Bein Nummer 827 auf der linken Seite? Oder startest Du Deinen Tanz, indem Du zuerst auf der linken Seite die Beine 286 bis 374 hebst und dann rechts das Bein 395 dazu nimmst? Wann genau kommt Dein linkes Bein Nummer 573 zum Einsatz? Wie genau machst Du das? Ich freue mich auf Deine Erklärung. Mit freundlichen Grüßen, Deine Bewunderin, die Kröte.“

Der Tausendfüßler las den Brief und begann zum ersten Mal in seinem Leben darüber nachzudenken, was er eigentlich beim Tanzen machte. Wie genau ging er vor?

Das war das Ende des tanzenden Tausendfüßlers.

Ab diesem Moment konnte er nicht mehr tanzen.

Sein Denken stand ihm im Weg.

Die Kröte wusste: Denken erstickt Fantasie.

Meine Idee für Dich: es ist nicht nötig, alles immer VERSTEHEN zu müssen. Die Frage, wie etwas funktioniert, ist unwichtig. Manchmal genügt es, sich einfach nur darüber zu freuen, dass etwas funktioniert.

Zu viel „Verstehen wollen“ raubt den Zauber so mancher schönen Sache.

Meine Kunden erleben in meinen Hypnose-Sitzungen so oft wunderbare, emotional stärkende und kräftige Momente. Auf die Frage, wie das denn funktionieren kann, gehe ich nicht ein. Die Schönheit des Moments wäre beeinträchtigt.

Du möchtest nicht wissen, wie die Liebe funktioniert. Du möchtest die Liebe fühlen.

Liebe Grüße,

Dein Joe

 

 

…wie das Leben nach der Geburt aussieht.

Ich habe eine Geschichte des Schriftstellers und Psychologen Henri Jozef Machiel Nouwen (* 24. Januar 1932 in Nijkerk; † 21. September 1996 in Hilversum) gelesen, die ich gerne mit Dir teilen möchte:

Im Mutterleib wuchsen Zwillinge heran. In dem Maße, wie ihr Bewusstsein wuchs, stieg auch ihre Freude: „Ist es nicht wunderbar, dass wir leben?“, sagte eines Tages der eine zum anderen.

Die Zwillinge begannen im Laufe der Zeit ihre Welt immer mehr und mehr zu entdecken. Dabei fanden sie auch die Schnur, die sie mit ihrer Mutter verband und sie mit Nahrung versorgte.

Beglückt sagten sie: „Wie groß ist doch die Liebe unserer Mutter, dass sie ihr eigenes Leben mit uns teilt!“

So vergingen die Wochen und sie bemerkten, wie sie sich veränderten.

„Was bedeutet es, dass wir uns im Laufe der Zeit so verändern?“ fragte der eine den anderen.

„Das bedeutet, dass unser Aufenthalt in dieser Welt bald dem Ende zugeht. Unsere Geburt wird kommen.“

„Aber ich will doch gar nicht gehen. Glaubst du an ein Leben nach der Geburt?“

“Ja, das gibt es. Unser Leben hier ist nur dazu gedacht, dass wir wachsen und uns auf das Leben nach der Geburt vorbereiten, damit wir stark genug sind für das, was uns erwartet.“

“Blödsinn, das gibt es doch nicht. Wie soll denn das überhaupt aussehen, ein Leben nach der Geburt?“

“Das weiß ich auch nicht so genau. Ich glaube, dieses Leben wird heller sein als unser jetziges Leben. Und vielleicht werden wir herumlaufen und mit dem Mund essen.“

“So ein Unsinn! Herumlaufen – das geht doch gar nicht. Und mit dem Mund essen – so eine komische Idee! Es gibt doch eine Nabelschnur, die uns ernährt – und die ist ja jetzt schon zu kurz zum Herumlaufen.“

“Doch, es geht ganz bestimmt. Es wird eben alles nur ein bisschen anders.“

„Du meinst, wir werden unsere Lebensschnur verlieren? Wie sollen wir ohne sie leben? Vielleicht haben andere vor uns schon diesen Mutterschoß verlassen, doch keiner von ihnen ist jemals wieder zurückgekommen und hat uns gesagt, dass es ein Leben nach der Geburt gibt. Es ist noch nie einer zurückgekommen von “nach der Geburt“. Die Geburt ist das Ende, da bin ich mir ganz sicher!“

So fiel der eine, der Pessimistische von beiden, in einen tiefen Kummer und sagte: „Wenn alles mit der Geburt endet, welchen Sinn hat dann das Leben im Mutterschoß? Es ist sinnlos. Vielleicht gibt es gar keine Mutter?“

„Aber sie muss doch existieren“, sagte der andere, „wie sollten wir sonst hierher gekommen sein? Und wie könnten wir am Leben bleiben? Auch wenn ich nicht genau weiß, wie das Leben nach der Geburt aussieht, glaube ich fest daran, dass wir dann unsere Mutter treffen werden und sie wird für uns sorgen“.

“Mutter? Du glaubst an eine Mutter? Sag mir, hast du je unsere Mutter gesehen? Möglicherweise lebt sie nur in unserer Vorstellung, und wir haben sie uns bloß ausgedacht, damit wir unser Leben besser verstehen können. Wo ist sie denn bitte?“

“Na hier, überall um uns herum. Wir sind und leben in ihr und durch sie. Ohne sie können wir gar nicht sein“.

“Quatsch! Von einer Mutter habe ich noch nie etwas bemerkt, also gibt es sie auch nicht!“

Manchmal, wenn Du ganz still bist, hörst Du sie singen und Du kannst spüren, wie sie unsere Welt streichelt

Sei aufmerksam und fühle Dich geborgen und geliebt, das wünsche ich Dir.

Dein Joe

Joe Bild 2

Verstehen…, verzeihen…, vergessen?

„Wenn Du einen Menschen wirklich liebst, dann achte darauf, dass Du diese Person niemals verletzt oder enttäuschst.“

Das klingt ja eigentlich ganz logisch und völlig normal, wieso soll ich jemanden verletzen oder enttäuschen, den ich liebe? Und ich bin ehrlich: ich habe in meinem Leben Menschen, die ich liebe und die mir sehr nahe stehen, in gewissen Situationen verletzt und enttäuscht.

Manchmal aus einer Wut heraus. Manchmal war ein Gefühl der Hilflosigkeit Auslöser für verletzende Worte oder Taten. Manchmal auch aus Feigheit. Mir hat der Mut gefehlt, offen und ehrlich zu sagen, was ich möchte, was ich mir wünsche, was mir fehlt. Gründe, die ich mir als Entschuldigung für meine verletzenden Handlungen zurecht gelegt habe, fand ich immer genug.

Heute möchte ich das für mich nicht mehr akzeptieren! Ich möchte die Menschen, die ich liebe, nicht mehr enttäuschen oder ihnen weh tun. Denn ich weiß heute, wieviel seelischen Schmerz ich dadurch dem Anderen zufüge. Und ich weiß, wie lange es dauern kann, diesen zu überwinden.

Zuerst beginnst Du zu VERSTEHEN, warum Du enttäuscht worden bist. Das ist ein sehr wichtiger erster Schritt. Es gibt immer einen Grund, eine Ursache. Nichts geschieht grundlos.

Dann kannst Du VERZEIHEN. Das ist in meiner Welt ein Leichtes. Und wenn Du wirklich liebst, aus Deinem innersten, liebevollen Kern heraus bedingungslos liebst, ist es noch leichter.

Schwerer ist das VERGESSEN. Ich kenne das von mir. VERSTEHEN und VERZEIHEN ist leicht für mich, VERGESSEN ist so schwer. Und das VERGESSEN wäre so wertvoll, denn ich werde immer wieder an alte Verletzungen und die damit verbundenen Schmerzen erinnert. VERGESSEN kann sehr lange dauern. Da hilft auch der gutgemeinte Rat „Lebe nicht immer in der Vergangenheit“ nicht viel. Leichter gesagt als getan. Ich habe da für mich noch kein immer funktionierendes „Rezept“ gefunden.

Ja, ich habe gelernt, mit diesen Gefühlen umzugehen, klar zu kommen, sie richtig einzuordnen. Und wie schön wäre es, sie komplett vergessen zu können.

Ich bleibe dran:-).

Und damit ich selber die Menschen, die ich liebe, nicht mehr verletzen werde, trainiere ich in meinen Beziehungen (zu meiner Ehefrau, zu meinen Kindern, zu meinen Freunden…) immer bewusster zu werden, was ich wirklich fühle. Und dann absolute Offenheit und Ehrlichkeit, gepaart mit Wertschätzung  und Liebe, dann ist für Verletzung und Enttäuschung kein Platz mehr.

„Wenn Du einen Menschen wirklich liebst, dann achte darauf, dass Du diese Person niemals verletzt oder enttäuschst.“

Ich wünsche Dir eine Woche mit offenen, ehrlichen und wertschätzenden Begegnungen,

Dein Joe